Alireza Beiranvand hat sich mit einer sensationellen Parade in die Geschichtsbücher dieser Weltmeisterschaft geschrieben. Der iranische Torhüter bewahrte sein Team in einem packenden Duell gegen Belgien vor einer Niederlage und sicherte dem Iran einen hart erkämpften Punkt, der die Hoffnungen auf den erstmaligen Einzug in die K.o.-Runde am Leben hält. Die Partie, die im Khalifa International Stadium ausgetragen wurde, bot alles, was Fußball zu einem Spektakel macht: Dramatik, technische Brillanz und eine rote Karte, die den Spielverlauf auf den Kopf stellte.
Beiranvands Moment der Wahrheit kam in der 58. Minute, als Michy Batshuayi nach einem Tempogegenstoß frei vor dem Tor stand und nur noch den Torhüter vor sich hatte. Der Schuss des Belgiers war platziert und schien unhaltbar – doch Beiranvand reagierte blitzschnell, streckte sich in höchster Not und lenkte den Ball mit einer instinktiven Bewegung über die Latte. Kicker und Sport Bild beschrieben die Szene übereinstimmend als „die beste Parade des gesamten Turniers“, und selbst die belgischen Medien zeigten sich nach dem Spiel beeindruckt von der Qualität dieser Rettungstat.
Die Vorlage für Batshuayis Großchance entstand durch einen Fehler in der iranischen Defensive, doch von diesem Moment an übernahm Beiranvand die Kontrolle. Der 30-Jährige, der in der Vergangenheit auch mit Wechselgerüchten zu verschiedenen Bundesliga-Klubs in Verbindung gebracht wurde, zeigte im gesamten Spiel insgesamt sieben wichtige Paraden und demonstrierte eine Ruhe, die sein Team dringend benötigte. Statistisch gesehen wehrte er 87 Prozent der auf sein Tor kommenden Schüsse ab – eine Quote, die selbst erfahrene Bundesliga-Torhüter vor Neid erblassen lassen würde.
Die Wende kam für Belgien völlig unerwartet in der 66. Minute. Nathan Ngoy, der junge Verteidiger der Roten Teufel, sah nach einem brutalen Foul an einem iranischen Angreifer die rote Karte. Der VAR bestätigte die Entscheidung des Schiedsrichters nach kurzer Überprüfung, und plötzlich musste Belgien mit nur zehn Spielern agieren. Trainer Domenico Tedesco stand vor einer strategischen Herausforderung, die er letztlich nicht zufriedenstellend lösen konnte. Die ohnehin schon krisengeplagten Belgier, die bereits zum Auftakt gegen den Iran enttäuscht hatten, wurden durch die Unterzahl endgültig ihrer Kontrolle über das Spiel beraubt.
Für den iranischen Fußball markiert dieses Unentschieden einen historischen Meilenstein. Seit ihrer ersten WM-Teilnahme 1978 hat das Team den Einzug in die K.o.-Runde nie geschafft – eine Tatsache, die bei den Fans im Stadion und in der Heimat für große Emotionen sorgte. Die Hassan Rouhani-Ära des iranischen Fußballs, geprägt von defensiver Disziplin und taktischer Disziplin, findet in Beiranvand ihren würdigsten Vertreter. Der Torhüter, der 2018 gegen Spanien bereits international auf sich aufmerksam gemacht hatte, scheint heuer sein volles Potenzial abzurufen.
Aus deutscher Sicht bleibt die Partie bemerkenswert, weil gleich mehrere Akteure mit Bezug zur Bundesliga eine tragende Rolle spielten. Der belgische Nationaltrainer Tedesco sammelte einst als Spieler Erfahrung in der deutschen Eliteklasse, und auch im Kader der Iraner finden sich Akteure, die in der Vergangenheit Interesse von Bundesligisten geweckt hatten. BILD kommentierte das Geschehen mit den Worten, dass Beiranvand „gezeigt hat, warum er zu den begehrtesten Torhütern des Kontinents zählt“ – eine Einschätzung, die nach dieser Vorstellung kaum zu widersprechen ist.
Die Gruppenphase entwickelt sich für beide Nationen zu einem echten Endspiel. Belgien, einst als Favorit gehandelt, steht mit dem Rücken zur Wand und muss nun zwingend Siege einfahren, um den frühzeitigen Turnierknockout zu vermeiden. Die „Goldene Generation“ um Kevin De Bruyne und Romelu Lukaku offenbart erschreckende Schwächen in der Spielfindung, und die Kritik aus der Heimat wird lauter. Iran hingegen kann mit neu gewonnenem Selbstvertrauen in die verbleibenden Begegnungen gehen. Beiranvands Glanzparaden haben nicht nur Punkte gesichert, sondern auch gezeigt, dass diese Mannschaft über die defensive Stabilität verfügt, um auf höchstem Niveau zu bestehen.
Die Entscheidung über beide Teams wird in den kommenden Tagen fallen. Während Belgien auf die Rückkehr seiner verletzten Leistungsträger hofft, setzt Iran auf die unbändige Leidenschaft seiner Fans und einen Torhüter, der gerade beweist, dass er zu den Größten seines Fachs gehört. Sollte der Iran tatsächlich die K.o.-Runde erreichen, wird man sich an diesem Abend im Khalifa International Stadium erinnern – an einen Mann, der scheinbar unmögliche Bälle zu parieren vermag.