Portugal hat am Mittwochabend Ortszeit einen heftigen Rückschlag hinnehmen müssen. Die Seleçao kam im NRG Stadium von Houston nicht über ein 1:1-Unentschieden gegen die Demokratische Republik Kongo hinaus und verspielte damit drei wichtige Punkte im Auftaktspiel der Gruppe F. Während die kongolesische Nationalmannschaft den überraschenden Punktgewinn ausgelassen feierte, verließ Cristiano Ronaldo den Platz auf desolate Art und Weise – und mal wieder allein.
Der fünfmalige Weltfußballer dribbelte nach dem Schlusspfiff direkt in Richtung Spielertunnel, während seine Teamkollegen geschlossen zu den Tribünen liefen, um die mitgereisten Fans zu applaudieren. Der Kontrast hätte symbolischer kaum sein können. Ronaldo, der im 39. Lebensjahr stehend seine sechste Weltmeisterschaft bestreitet, wirkte sichtlich angefressen, die Schultern nach unten gezogen, den Blick starr auf den Boden gerichtet. Für die portugiesische Öffentlichkeit – und erst recht für die internationale Presse – war dieses Bild ein klares Statement der Frustration.
Die Zahlen des Spiels unterstreichen die portugiesische Überlegenheit, verdeutlichen aber gleichzeitig die Abschlussschwäche: Portugal kam auf 68 Prozent Ballbesitz, 18 Torschüsse und eine Passgenauigkeit von 89 Prozent. Die DR Kongo hingegen verteidigte mit höchster Konzentration und nutzte ihre wenigen Chancen eiskalt aus. Der zwischenzeitliche Führungstreffer durch einen Distanzschuss in der 25. Minute war zugleich das einzige Tor der Afrikaner bei ergiebigen fünf Schüssen aufs Tor. Portugals Ausgleich durch Rafael Leao in der 52. Minute war verdient, reichte am Ende aber nicht zum erhofften Dreier.
In den deutschen Medien sorgte das Ergebnis für reges Interesse. Der Kicker titelte am Donnerstagmorgen: „Ronaldo und Portugal enttäuschen – Auftakt ohne Dreier.“ Die Sport Bild ordnete das Remis als „Rückschlag für die Ambitionen der Seleçao“ ein. BILD kommentierte trocken: „CR7 geht allein, die Fans bleiben ratlos.“ Diese Schlagzeilen zeigen, wie groß die Erwartungen an das portugiesische Team mit dem Altstar im Angriff sind – und wie schwer der Druck wiegt.
Historisch betrachtet ist Ronaldo der erste Spieler, der an sechs verschiedenen Weltmeisterschaften teilnimmt. Sein Debüt gab er 2006 in Deutschland, als Portugal den vierten Platz belegte. Seitdem hat er mit seinem Land nie mehr dieato Finale oder auch nur das Halbfinale erreicht. 2022 in Katar schied Portugal im Viertelfinale gegen Marokko aus – ein weiterer Schlag für die goldenen Generation um Ronaldo, Bruno Fernandes und Bernardo Silva. Die DR Kongo hingegen hat sich seit Jahrzehnten nicht für eine Weltmeisterschaft qualifiziert; das letzte Turnier der Afrika-Nation liegt über 50 Jahre zurück (1974 in Deutschland). Insofern war das Remis für die Statistikbücher mindestens so bemerkenswert wie für die Tabellenkonstellation.
Für Bundestrainer Julian Nagelsmann und die deutsche Nationalmannschaft hat das Ergebnis unmittelbare Relevanz. Deutschland trifft in der Gruppenphase unter anderem auf Teams, die ähnlich kompakt verteidigen wie die DR Kongo. Die Erkenntnis, dass selbst Portugal mit seiner individualistischen Offensive Mühe hat, gegen tiefstehende Gegner klare Chancen zu kreieren, dürfte auch in Frankfurt und Herzogenaurach mit Interesse zur Kenntnis genommen werden. Die Bundesliga-Profis in der deutschen Mannschaft – darunter Kapitän Manuel Neuer vom FC Bayern München und Ilkay Gündogan von Manchester City – werden ähnliche defensive Strukturen aus der Premier League und der Bundesliga kennen.
Was bedeutet das Ergebnis für Portugals weitere Turnierverlauf? Trainer Roberto Martínez stehen nun schwierige Entscheidungen bevor. Soll er weiterhin auf Ronaldo setzen, der gegen die DR Kongo zwar kämpfte, aber im Abschluss glücklos blieb? Oder ist es an der Zeit, der nächsten Generation – Spieler wie Joao Félix oder Gonçalo Ramos – mehr Spielzeit zu geben? Die Antworten werden maßgeblich darüber entscheiden, ob Portugal den Traum vom ersten WM-Titel realisieren kann oder ob die Ära Ronaldo sang- und klanglos endet.
Fest steht: Mit nur einem Punkt aus dem ersten Spiel ist die Ausgangsposition prekär. Portugal muss nun gegen die Niederlande und Haiti punkten, um nicht vorzeitig auszuscheideniden. Für Ronaldo personally bedeutet dies, dass jede verbleibende Partie möglicherweise die letzte seiner glorreichen Karriere sein könnte. Ob er diese Chance nutzt oder weiterhin allein vom Platz geht, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.