Der Countdown zur Weltmeisterschaft 2026 läuft, und Japans Samurai Blue reisen mit einem bemerkenswerten Rekordjäger nach Nordamerika. Yuto Nagatomo wird bei seinem fünften Weltcup-Turnier Geschichte schreiben – ein Quantensprung für den asiatischen Fußball, der in der deutschen Bundesliga und bei deutschen Medien für großes Aufsehen sorgt.
Nagatomo, mittlerweile 37 Jahre alt, hat sich seit seinem Debüt im Jahr 2008 zu einer Konstante im japanischen Nationalteam entwickelt. Mit über 150 Länderspielen gehört er zu den erfahrensten Akteuren im Kader von Trainer Hajime Moriyasu. Der Linksverteidiger, der seine Karriere einst bei Tokyo FC begann und später über Inter Mailand und Galatasaray Istanbul nach Tokio zurückkehrte, wird beim Eröffnungsspiel gegen eine noch zu bestimmende Gruppennation zum ersten Japaner, der an fünf verschiedenen Weltmeisterschaften teilnimmt.
„Nagatomo verkörpert alles, was japanischen Fußball ausmacht”, sagte Moriyasu auf der Pressekonferenz zur Kadernominierung. „Disziplin, Hingabe und die Bereitschaft, immer besser zu werden.” Diese Worte finden sich auch in der Berichterstattung des Kicker wieder, der Nagatomos Karriere als „beispiellos im ostasiatischen Fußball” bezeichnete.
Die Freude über Nagatomos historische Leistung wird jedoch von einer erheblichen Portion Sorge gedämpft. Mit Kaoru Mitoma und Kapitän Wataru Endo fehlen zwei Schlüsselspieler, die das gesamte Spielsystem der Japaner beeinflussen könnten. Mitoma, 27 Jahre alt und von Brighton & Hove Albion in die Premier League gekommen, laboriert an einer Knöchelverletzung, die ihn seit mehreren Wochen außer Gefecht setzt. In der abgelaufenen Saison steuerte der Flügelspieler fünf Tore und acht Vorlagen bei – Zahlen, die seine Bedeutung für das offensive Kombinationsspiel der Samurai Blue unterstreichen.
Endo, 32 Jahre alt und langjähriger Kapitän, ist für die Defensive ebenso unverzichtbar wie für die Ballsicherheit im Mittelfeld. Der Liverpool-Profi absolvierte in dieser Saison 38 Pflichtspiele für die Reds und gilt als taktischer Anker im Zentrum. Sein Ausfall wiegt besonders schwer, da Japan mit Ao Tanaka von Fortuna Düsseldorf und Ritsu Doan von Inter Mailand zwar hochkarätigen Ersatz besitzt, aber die nahtlose Integration in das bestehende System Zeit kosten wird.
Hier kommt die Bundesliga ins Spiel. Neben Doan und Tanaka haben mehrere japanische Nationalspieler ihre Spuren in der deutschen Liga hinterlassen. Takumi Minamino, einst bei Mainz 05 und RB Salzburg aktiv, bringt internationale Erfahrung mit, während Daizen Maeda von Celtic Glasgow und Kyogo Furuhashi den Kader mit frischem Tempo auffrischen sollen. Für deutsche Fußballfans ist diese Verbindung besonders interessant, zumal Bundesliga-Scoutings in Japan traditionell stark sind und die Liga als Sprungbrett für japanische Talente nach Europa gilt.
Die historische Perspektive verdeutlicht den Aufstieg des japanischen Fußballs. Seit der ersten Weltcup-Teilnahme 1998 in Frankreich hat Japan kontinuierlich an Erfahrung und Qualität gewonnen. Das Achtelfinale 2022 in Katar, als man knapp mit 2:1 gegen Kroatien verlor, markierte den vorläufigen Höhepunkt. Mit Nagatomo als lebender Legende und einem Kader, der im Schnitt 25,8 Jahre alt ist, setzt man nun auf die richtige Mischung aus Erfahrung und jugendlicher Dynamik.
Sport Bild betonte in seiner Vorschau auf das Turnier die taktische Flexibilität der Japaner unter Moriyasu. Der Trainer bevorzugt ein 4-3-3-System mit ballbesitzorientiertem Spiel, kann aber je nach Gegner auf ein 3-4-2-1 umschalten. Diese Variabilität könnte entscheidend sein, wenn Japan in einer möglichen Gruppe auf starke Gegner trifft.
Die Erwartungen sind realistisch, aber nicht bescheiden. „Das Achtelfinale muss das Minimum sein”, schrieb BILD in seiner Analyse. „Mit der Erfahrung von Nagatomo und der Qualität im Kader hat Japan das Potenzial, auch stärkere Nationen zu fordern.”
Mit dem Turnierbeginn am 11. Juni richtet sich der Blick auf eine Gruppe C, die für Spannung sorgen könnte. Japan wird mit dem Selbstvertrauen antreten, das eine Nation auszeichnet, die gelernt hat, auf der größten Fußballbühne der Welt zu bestehen. Nagatomos Geschichte ist dabei mehr als eine persönliche Heldengeschichte – sie symbolisiert die Entwicklung eines whole football culture, die nun in eine neue Ära aufbricht.