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‚Nur eine Große Fußballstadt‘: Seattles Transformation von der Ablehnung 1994 zum Austragungsort der WM 2026

Die einstige Ablehnung ist längst vergessen: Seattle, das vor genau drei Jahrzehnten bei der Vergabe der Weltmeisterschaft 1994 in den USA noch übergangen wurde, hat sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Die Hafenstadt am Puget Sound wird 2026 erstmals als Austragungsort eines FIFA-Weltturniers fungieren – und bringt dafür beste Voraussetzungen mit.

Das Lumen Field, das mit über 69.000 Plätzen zu den größten Stadien der WM 2026 gehören wird, hat sich längst als Festspielort für Großevents etabliert. Wenn die deutsche Nationalmannschaft im Sommer 2026 dort antreten sollte, könnte sie auf eine der lautesten Kulissen der Welt treffen. Der Lärmpegel bei MLS-Spielen der Seattle Sounders hat bereits internationale Beachtung gefunden – Messungen ergaben Spitzenwerte von über 130 Dezibel, was selbst Bundesliga-Standards übertrifft.

Die Transformation der Stadt zur Fußballmetropole vollzog sich über knapp drei Jahrzehnte systematisch. Während 1994 das Tacoma Dome oder das Veterans Stadium als Spielorte dienten und Seattle leer ausging, hat die Stadt seither eine Fankultur aufgebaut, die in amerikanischen Maßstäben einzigartig ist. Die Sounders, seit 2009 in der MLS, verzeichneten in der Saison 2023 durchschnittlich über 68.000 Zuschauer pro Heimspiel – damit führen sie die gesamte Liga an und übertreffen selbst etablierte europäische Stadien.

Der deutsche Einfluss auf diese Entwicklung ist dabei nicht zu unterschätzen. Spielervermittler aus der Bundesliga haben Seattle seit Jahren als attraktive Destination für europäische Profis positioniert. Mit Nicolas Lodeiro, der vor seinem Wechsel zu den Sounders beim Hamburger SV und dem FC Utrecht aktiv war, und anderen internationalen Legionären etablierte sich die Franchise als ernstzunehmende Option auch für europäische Top-Spieler. Deutsche Medien wie der Kicker und Sport Bild berichten regelmäßig über die wachsende Bedeutung Seattles im globalen Fußballgefüge.

Die Vorfreude auf 2026 ist bereits jetzt greifbar. Laut FIFA wurden für die Spiele in Seattle über 500.000 Ticket-Anfragen gestellt – bei einer verfügbaren Kapazität von deutlich unter 200.000 Sitzplätzen für die Gruppenspiele. Diese Nachfrage unterstreicht, was Beobachter bereits seit Jahren attestieren: Seattle hat sich vom vernachlässigten Kandidaten von 1994 zur Destination entwickelt, die das Turnier nicht nur braucht, sondern verdient.

Für die Organisatoren bedeutet dies entsprechenden Druck. Seattle hat zugesagt, das Lumen Field mit temporären Tribünen auf über 70.000 Plätze zu erweitern. Die Infrastruktur вокруг dem Stadion, einschließlich des öffentlichen Nahverkehrs und der Hotellandschaft, wird für den Ansturm von Hunderttausenden internationalen Besuchern ertüchtigt. Bürgermeisterin Bruce Harrell hat die WM als „Jahrhundertchance“ für die Stadt bezeichnet.

Die Bundesliga-Verbindung bleibt dabei ein wichtiger Faktor für die europäische Vermarktung. German Football Association-Quellen zufolge wird mit erheblichem deutschem Fanaufkommen gerechnet – nicht zuletzt aufgrund der histischen Fußballfreundschaften zwischen amerikanischen und deutschen Communities, die sich besonders in der Pazifikregion manifestieren. ARD und ZDF planen umfangreiche Übertragungskapazitäten von Seattle aus.

Für die 2026er WM hat Seattle drei Vorrundenspiele sowie ein Achtelfinale zugesprochen bekommen. Die genauen Begegnungen werden zwar erst 2025 ausgelost, doch die Stadionverantwortlichen rechnen fest mit der Teilnahme mindestens einer europäischen Spitzenmannschaft. Das bedeutet: Die Stadt, die 1994 nicht einmal als Backup-Option galt, wird nun im Zentrum der weltweiten Fußballaufmerksamkeit stehen.

Die Geschichte von Seattle als Fußballstadt ist damit noch nicht zu Ende erzählt. Vielmehr markiert die WM 2026 den vorläufigen Höhepunkt einer Entwicklung, die weit über den reinen Sportbetrieb hinausreicht. Die Stadt hat erkannt, dass ein Weltturnier nicht nur Prestige bringt, sondern auch Investitionen in Infrastruktur, Tourismus und internationales Image rechtfertigt. Langfristig könnte Seattle damit den Grundstein für eine dauerhafte Position im Kreis der globalen Fußballmetropolen legen – weit weg vom Status des späten Nachzüglers, als der die Stadt 1994 noch appeared.