Ein Pariser Berufungsgericht hat am Mittwoch die Anklageerhebung gegen Achraf Hakimi wegen Vergewaltigung bestätigt und damit einen Gerichtsprozess eingeleitet, der die Fußballwelt noch lange beschäftigen wird. Der marokkanische Nationalspieler von Paris Saint-Germain, der die Vorwürfe seit Bekanntwerden im Jahr 2023 stets zurückgewiesen hat, muss sich nun vor einem französischen Strafgericht verantworten.
Der 26-Jährige äußerte sich erstmals ausführlich zu den Anschuldigungen und erklärte gegenüber französischen Medien, er erwarte seinen Gerichtstermin „mit großer Ungeduld”. Durch seine Anwälte ließ er übermitteln, er sei überzeugt, als prominente Persönlichkeit gezielt ins Visier geraten zu sein. „Ich bin ein einfaches Ziel”, zitierten übereinstimmend französische und internationale Medien den Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft von Nanterre hatte bereits im vergangenen Jahr Anklage erhoben, Hakimi strebte daraufhin die Einstellung des Verfahrens an – vergeblich, wie die aktuelle Gerichtsentscheidung nun zeigt.
Die juristische Auseinandersetzung findet dabei in einer sportlich erfolgreichen Phase Hakimis statt. Der Rechtsverteidiger gehört beim Meister der Ligue 1 weiterhin zum Stammpersonal und absolvierte in der laufenden Saison 2024/25 bereits 23 Pflichtspiele für PSG. Sein Marktwert wird von Transfermarkt.de auf etwa 65 Millionen Euro geschätzt, womit er zu den wertvollsten Außenverteidigern weltweit zählt. In der Champions League stand der Marokkaner in jedem Gruppenspiel auf dem Platz und trug maßgeblich dazu bei, dass Paris Saint-Germain ins Achtelfinale einzog.
Aus deutscher Perspektive ist Hakimi kein Unbekannter. Zwischen 2017 und 2020 stand der出生于 Madrid beim BVB unter Vertrag und absolvierte 72 Bundesliga-Spiele für die Schwarzgelben. In dieser Zeit entwickelte er sich vom Talent zum international gefragten Außenverteidiger und wurde 2019/20Deutscher Pokalsieger. MitBorussia Dortmund erreichte er zudem das Finale der UEFA Champions League, das coronabedingt im August 2020 in Lissabon ausgetragen wurde – dort unterlagen die Bayern dem FC Bayern München. BILD und Kicker berichteten seinerzeit ausführlich über die fußballerische Entwicklung des marokkanischen Nationalspielers, der auch heute noch regelmäßig in der Bundesliga-Berichterstattung erwähnt wird, wenn PSG auf deutsche Gegner trifft.
Die Rechtslage in Frankreich unterscheidet sich erheblich von deutschen Verfahren. Vergewaltigungsdelikte werden dort mit bis zu 15 Jahren Haft geahndet, bei besonders schweren Umständen sogar bis zu 20 Jahren. Die Anklage stützt sich laut Gerichtsunterlagen auf Aussagen der mutmaßlichen Geschädigten, die Hakimi konkret benannt haben soll. Die Verteidigung des Fußballers bestreitet die Vorwürfe kategorisch und verweist auf widersprüchliche Aussagen in den Ermittlungsakten.
Historisch ist der Fall Hakimi Teil einer Reihe von Strafverfahren gegen hochkarätige Fußballer in Europa. Der deutsche Nationalspieler Deniz Aytekin, selbst Schiedsrichter und Mitglied des DFB-Sportgerichts, äußerte gegenüber Sport Bild, dass der Druck auf Profileute im Profifußball enorm gestiegen sei: „Die Justiz schaut heute genauer hin als noch vor zehn Jahren. Das betrifft alle, auch Fußballer.”
Die FIFA hat bislang keine Stellungnahme zu den laufenden Ermittlungen abgegeben. Der marokkanische Verband FMF unterstützt seinen Nationalspieler öffentlich und verwies auf die Unschuldsvermutung. Hakimi absolvierte bislang 66 Länderspiele für Atlas-Löwen und erzielte dabei neun Tore. Bei der anstehenden FIFA-Weltmeisterschaft 2026, die gemeinsam in den USA, Kanada und Mexiko stattfindet, wird er voraussichtlich erneut eine tragende Rolle im Team Marokkos spielen, das 2022 in Katar für Furore sorgte und bis ins Halbfinale vordrang.
PSG-Sportdirektor Luis Campos äußerte sich bislang nicht zu den juristischen Entwicklungen. Der Klub verweist auf die Unschuldsvermutung und die laufenden Ermittlungen. Intern soll Hakimi jedoch weiterhin vollen Rückhalt genießen, heißt es aus Vereinskreisen.
Mit dem bestätigten Prozessbeginn rückt nun ein Gerichtsurteil näher, das Hakimis Zukunft sowohl sportlich als auch persönlich maßgeblich beeinflussen könnte. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, drohen dem Rechtsverteidiger nicht nur strafrechtliche Konsequenzen, sondern vermutlich auch das Ende seiner Karriere bei PSG und möglicherweise eine FIFA-Sperre. Bis dahin gilt für den marokkanischen Star die Unschuldsvermutung – jener Grundsatz, auf den Hakimi und seine Anwälte in den kommenden Monaten vor einem Pariser Gericht setzen werden.