Ruben Amorim übernimmt das Ruder beim AC Mailand. Der portugiesische Trainer wurde am Montag offiziell als neuer Cheftrainer der Rossoneri vorgestellt und tritt damit die Nachfolge von Massimiliano Allegri an, der wenige Tage zuvor entlassen worden war. Die Verpflichtung des 39-Jährigen markiert einen strategischen Coup für den Serie-A-Giganten, während Manchester United von der Lösung des festgefahrenen Transfers profitiert.
Der frühere Sporting-Lissabon-Trainer unterschrieb einen Vertrag bis Juni 2027 und erhält damit das Vertrauen der Milan-Verantwortlichen, das Projekt am San Siro neu auszurichten. Für Amorim persönlich bedeutet die Rückkehr auf die Trainerbank eine rasche Rehabilitierung nach seinem hochkarätigen Aus bei Manchester United im November vergangenen Jahres. Dort hatte er nur 29 Tage und ein einziges Ligaspiel durchgehalten, ehe er von den Red Devils entlassen wurde – eine Episode, die seine ohnehin komplizierte Beziehung zur Premier League weiter trübte.
Die Zahlen aus seiner Zeit bei Sporting sprechen eine deutliche Sprache. In vier Jahren an der Estadio José-Alvalade-Leitung sammelte Amorim zwei Primeira-Liga-Titel (2020/21 und 2023/24), pokerte sich zwei Mal zum Taça-da-Liga-Sieg und entwickelte zahlreiche Talente zu international begehrten Spielern. Besonders bemerkenswert: Der Titelgewinn 2020/21 beendete Sporting Lissabons 19-jährige Wartezeit auf einen nationalen Meistertitel – ein historischer Triumph, der den Trainer in Portugal endgültig in die erste Reihe katapultierte. Unter seiner Ägide reiften Spieler wie Pedro Porro, Nuno Mendes und Manuel Ugarte zu europäischen Top-Talenten, was seine Fähigkeit unterstreicht, junge Kicker zu entwickeln und sie auf höchstem Niveau performen zu lassen.
Für Manchester United ergibt sich aus Amorims Unterschrift in Mailand ein unerwarteter finanzieller Vorteil. Ursprünglich hatten die Red Devils eine Entschädigungssumme von umgerechnet etwa 20 Millionen Euro für Amorims vorzeitige Vertragsauflösung einkalkuliert. Da der Portugiese nun direkt bei Milan anhebt, ohne zwischenzeitlich einen anderen Club zu übernehmen, entfällt ein erheblicher Teil dieser Zahlungsverpflichtung. Britische Medien berichteten übereinstimmend, dass United nun deutlich weniger als die kolportierten 16,7 Millionen Pfund an Sporting überweisen muss. Für den klammen englischen Rekordmeister, der sich mitten in einem umfangreichen Transformationsprozess befindet, kommt diese Ersparnis zumindest psychologisch zur rechten Zeit.
Aus deutscher Perspektive ist die Entwicklung ebenfalls von Interesse. Die Bundesliga-Medienlandschaft, insbesondere Kicker und Sport Bild, hatten Amorim bereits seit Längerem als möglichen Kandidaten für verschiedene europäische Top-Adressen gehandelt. In der Vergangenheit arbeiteten mehrere portugiesische Trainer äußerst erfolgreich in Deutschland – man denke an Jorge Jesus bei Eintracht Frankfurt oder den aktuellen Bundesliga-Coach Rúben Selles beim VfL Wolfsburg. Auch wenn Amorim selbst nie mit einem deutschen Club in Verbindung gebracht wurde, unterstreicht seine Vita die wachsende Bedeutung portugiesischer Fußballlehrer auf dem europäischen Trainermarkt.
Für den AC Mailand beginnt mit Amorim ein neues Kapitel. Die Lombarden reüssierten zuletzt 2022 mit einem Scudetto unter Stefano Pioli und verpassten seitdem den Anschluss an die absolute Serie-A-Spitze. Mit dem neuen Coach soll frischer Wind in die Kabine kommen. Gerüchten zufolge plant Milan bereits im Sommer eine umfangreiche Kaderüberholung, wobei besonders in der Defensive und im Mittelfeld investiert werden soll. Amorims Fokus auf Pressing und ballbesitzorientiertes Spiel könnte dem Team, das in dieser Saison zu oft durch Inkonstanz auffiel, die nötige taktische Identität verleihen.
Die Herausforderungen sind gewaltig. In der Serie A dominiert Atalanta Bergamo unter Gian Piero Gasperini das Geschehen, während Juventus und der FC Bologna ebenfalls Ambitionen auf den Titel hegen. Auf europäischer Bühne will Milan nach zwei enttäuschenden Champions-League-Auftritten in Folge wieder ein ernstzunehmender Kontrahent werden. Amorim bringt dafür die nötige internationale Erfahrung mit – auch wenn sein Engagement in der Champions League mit Sporting nie über das Achtelfinale hinausführte.
Fest steht: Mit Amorim hat Milan einen Trainer verpflichtet, der bewiesen hat, dass er mit den richtigen Spielern Großes erreichen kann. Jetzt liegt es am Club, ihm die Mittel dafür zu geben.