Die Gesundheitsfrage vor dem WM-Duell zwischen den Niederlanden und Japan könnte spielentscheidend sein. Beide Nationalmannschaften bangen um die Einsatzfähigkeit wichtiger Akteure, wobei die medizinischen Abteilungen in den finalen Trainingseinheiten vor Ort in Katar alles daran setzen, rechtzeitig grünes Licht zu geben – oder die Trainer vor schwierige Alternativen stellen.
Wie die Fachzeitschrift Kicker am Mittwochmorgen berichtete, hat Oranje-Teamarzt Dr. Eijkenboom zusammen mit Bondscoach Ronald Koeman die erste Trainingseinheit des Tages persönlich beobachtet. Die Ergebnisse dieser observationellen Checks werden maßgeblich beeinflussen, ob offensive Schlüsselspieler wie Memphis Depay oder Linksverteidiger Owen Wijndal rechtzeitig fit werden. Depay, der in 98 Länderspielen 45 Tore für die Niederlande erzielt hat, laboriert seit seinem letzten FC-Barcelona-Einsatz an einer Muskelverletzung im hinteren Oberschenkel.
Aus japanischer Perspektive bestätigte Teamarzt Dr. Tanaka gegenüber Reportern in der Mixed-Zone, dass Kapitän Maya Yoshida und Flügelspieler Kaoru Mitoma individuelle Übungen absolvieren. Yoshida, der mit 152 Länderspielen Rekordnationalspieler seines Landes ist, hatte sich im letzten Bundesligaspiel mit seinem Klub VfB Stuttgart eine Knöchelverletzung zugezogen. Der Innenverteidiger war im vergangenen Sommer von Southampton nach Stuttgart gewechselt und hat sich in der Bundesliga schnell als Führungsfigur etabliert.
Die Bundesliga-Verbindungen zwischen beiden Kadern sind bemerkenswert: Neben Yoshida stehen mit Wataru Endo (VfB Stuttgart) und Junya Ito (FSV Mainz 05) zwei weitere japanische Nationalspieler regelmäßig in deutschen Stadien auf dem Platz. Auf niederländischer Seite spielen Matthijs de Ligt bei Bayern München und Virgil van Dijk bei Liverpool – letzterer wird von der englischen Premier League genau beobachtet, nachdem Berichte über Kniebeschwerden die Runde machten.
Historisch betrachtet ist das Duell zwischen beiden Nationen bei Weltmeisterschaften relativ selten: Die letzte direkte Begegnung bei einem WM-Turnier fand 2014 in Brasilien statt, als die Niederlande Japan in der Gruppenphase mit 2:1 besiegten. Arjen Robben erzielte damals den Siegtreffer in der Nachspielzeit – ein Moment, der in der japanischen Fußballgeschichte至今 als schmerzhafte Erinnerung verankert bleibt. Die Samurai Blue haben seitdem kein Pflichtspiel mehr gegen Oranje bestritten.
Die Statistikunterlegenheit Japans gegen europäische Top-Nationen ist auffällig: In 16 WM-Spielen gegen UEFA-Vertreter holten die Japaner lediglich drei Siege. Die Niederlande hingegen gehört mit vier WM-Finalteilnahmen zu den traditionsreichsten Fußballnationen der Welt, auch wenn der letzte Triumph 1988 – damals noch als Europameisterschaft – datiert.
Für Bundestrainer Julian Nagelsmann, der das Spiel vermutlich als Beobachtungsobjekt für kommende Aufgaben nutzen wird, könnten die Fitnesszustände beider Teams von besonderem Interesse sein. Der deutsche Auswahltrainer verfolgt regelmäßig Partien potenzieller Gruppengegner bei internationalen Turnieren.
Die taktischen Implikationen sind erheblich: Sollte Depay ausfallen, müsste Koeman auf Donyell Malen oder den jungen Xavi Simons zurückgreifen – beides Spieler mit ungleich weniger internationaler Erfahrung als der 30-Jährige. Bei Japan würde ein Ausfall von Yoshida die ohnehin wackelige Defensive weiter destabilisieren. Interimstrainer Hajime Moriyasu müsste dann auf den 21-jährigen Shuto Machino von Yokohama F. Marinos zurückgreifen.
Die Sport Bild spekulierte in ihrer Mittwochsausgabe bereits mit möglichen Startelf-Änderungen: Bei einem Yoshida-Ausfall würde voraussichtlich Tsukasa Shiotani beginnen, der für Al-Janoub stürmt und zuletzt starke Leistungen zeigte.
Das Fazit vor dem Anpfiff: Beide Trainer werden bis zur letzten Minute warten, bevor sie ihre finalen Entscheidungen kommunizieren. Die Fans – sowohl in den Stadien als auch vor den Bildschirmen weltweit – erwartet ein Spiel, dessen taktische Ausrichtung maßgeblich davon abhängen wird, wer letztendlich auf dem Platz steht. Die medizinischen Abteilungen arbeiten unter Hochdruck, aber die Geschichte lehrt: Manchmal entscheidet nicht die Taktik über den Ausgang, sondern schlicht und einfach, welche Spieler rechtzeitig genesen.