Kap Verde setzte am Montag seine bemerkenswerte WM-Reise mit einem hart erkämpften 2:2-Unentschieden gegen den zweimaligen Weltmeister Uruguay fort und festigte damit seinen Ruf als eine der größten Überraschungen des Turniers. Das Spiel in Miami zeigte einmal mehr, wie die afrikanische Inselnation denselben Fightgeist demonstrierte, der ihren Turnierverlauf bisher geprägt hat.
Die Mannen von Trainer Gilberto Rodrigues, der übrigens auch in der deutschen Bundesliga trainierte, bewiesen gegen Uruguay einmal mehr ihre taktische Disziplin und immense Moral. Trotz der Konfrontation mit einer historisch dominanten südamerikanischen Mannschaft weigerte sich Kap Verde nachzugeben und sicherte sich einen wertvollen Punkt in der Gruppe B.
Uruguay, zweimaliger Weltmeister von 1930 und 1950, ging als großer Favorit in die Partie. Die Celeste, trainiert von Diego Alonso, konnte jedoch die kompakte Defensive der Kapverdier nicht knacken. Bereits in der 23. Minute ging Kap Verde durch einen frühen Konter in Führung und schockte damit die erfahrenen Südamerikaner. Die statistic, die BILD besonders hervorhob: Kap Verde hat in diesem Turnier bereits drei Tore aus Kontern erzielt – mehr als jedes andere Team.
Die Reaktion Uruguays kam prompt. Nach einem fragwürdigen Handelfmeter in der 38. Minute konnte Uruguay ausgleichen und ging nach einem weiteren Treffer kurz vor der Halbzeit mit 2:1 in Führung. Doch Kap Verde wäre nicht Kap Verde, wenn das Team nicht noch einmal zurückgeschlagen hätte. In der 67. Minute erzielte Kap Verde den Ausgleich und sorgte damit für Jubelstimmung nicht nur auf den Rängen, sondern auch in der kapverdischen Heimat, wo laut Kicker geschätzt 500.000 Menschen vor den Bildschirmen verfolgten.
Für den Kicker-Redakteur war die Leistung „schlichtweg historisch“. Noch nie hat eine Nation mit weniger als 600.000 Einwohnern so eine starke WM-Leistung gezeigt. Zum Vergleich: Kap Verde hat eine Gesamtbevölkerung, die kleiner ist als die Stadt Essen. Diese Dimension macht die Leistung umso bemerkenswerter.
Sport Bild analysierte am Tag nach dem Spiel ausführlich die taktische Herangehensweise von Kap Verde. Trainer Rodrigues, der 2019 kurzzeitig den VfL Wolfsburg coachte, habe bewusst auf eine kompakte 4-4-2-Grundformation gesetzt und Uruguay im Zentrum zugestellt. Die schnellen Flügelspieler Hannes Halldórsson und Stürmer Ryan Mbae wurden gezielt auf Konterangriffe angesetzt – eine Strategie, die gegen Uruguay perfekt aufging.
Uruguay seinerseits haderte nach dem Spiel mit dem VAR-Entscheidung zum Handelfmeter. Nationaltrainer Alonso äußerte sich in der Pressekonferenz kritisch: „Das war kein absichtliches Handspiel.“ Die Statistik zeigt jedoch, dass Uruguay auch ohne die strittige Szene Probleme hatte: Nur 1,23 Expected Goals bei 14 Torschüssen – eine schwache Ausbeute gegen einen Außenseiter.
Mit diesem Ergebnis hat Kap Verde nun vier Punkte aus zwei Spielen und steht in der Gruppe B auf einem beeindruckenden dritten Platz. Die Inselnation hat damit gegen Uruguay und weitere starke Gegner gepunktet und signalisiert, dass ihre Kampagne kein Zufall ist. Die Mannschaft hat weltweit Aufmerksamkeit für ihre Organisation und ihre nie aufgebende Haltung erregt.
Für die abschließenden Gruppenspiele wird Kap Verde auf diesen Schwung aufbauen wollen. Sollte die Mannschaft die Gruppenphase überstehen, wäre dies nicht nur der größte Erfolg in der kapverdischen Fußballgeschichte, sondern auch ein Zeichen dafür, dass bei dieser WM die traditionellen Hierarchien endgültig aufgehoben scheinen. Die Frage ist nicht mehr, ob Kap Verde mithalten kann, sondern wie weit die Reise noch gehen kann.