Spielvorschauen

Der uneinnehmbare Room inspiriert Curacao zum ersten WM-Punkt

Der Mann, der einen WM-Rekord aufstellte und ganz Curacao in einen Freudentaumel versetzte, heißt Eloy Room. Der 28-jährige Torhüter lieferte im Kansas City Stadium eine Parade-Vorstellung ab, die selbst die kritischsten Beobachter in Erstaunen versetzte. Mit insgesamt elf Paraden egalisierte der Schlussmann den seit Jahrzehnten bestehenden Rekord für die meisten gehaltenen Schüsse in einem einzelnen WM-Spiel – eine Leistung, die ihm Lob von allen Seiten einbrachte und die kleine Karibikinsel erstmals auf die internationale Fußballlandkarte hievte.

Das 0:0-Unentschieden gegen Ecuador mag auf den ersten Blick unspektakulär erscheinen, doch für die Geschichte des Turniers ist es ein Meilenstein. Curacao, ein Land mit kaum mehr als 150.000 Einwohnern, hat damit seinen ersten Punkt bei einer Weltmeisterschaft überhaupt gesammelt. Die Mannen um Kapitän Cuco Martina schrieben damit ein neues Kapitel in der Fußball-Geschichte ihres Landes.

Dick Advocaat, der erfahrene niederländische Trainer an der Seitenlinie, hatte im Vorfeld der Partie betont, dass seine Mannschaft ohne Druck aufspielen könne. „Wir haben nichts zu verlieren“, sagte der 76-Jährige, der 2014 die Elftal noch zum dritten Platz bei der WM in Brasilien führte. Doch was seine defensive Formation im Kansas City Stadium ablieferte, war weit mehr als das bloße Verhindern einer Niederlage. Es war ein Meisterwerk der Organisation, inspiriert von einem Torhüter, der im gesamten Turnierverlauf zu den absoluten Top-Torhütern gehört.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Ecuador kam auf insgesamt 23 Torschüsse, davon 7 auf das Tor. Room war bei jeder einzelnen dieser Situationen zur Stelle. Besonders in der zweiten Halbzeit, als die Südamerikaner massiv Druck aufbauten, avancierte der Torhüter zum unbeweglichen Fels in der Brandung. Der frühere Enschedener, der seine Karriere bei PSV Eindhoven begann und später über verschiedene europäische Stationen ging, zeigte Reflexe, die selbst Bundesliga-erfahrene Stürmer verzweifeln ließen.

Aus deutscher Perspektive ist die Entwicklung Rooms besonders interessant. Der Torhüter stand in der Vergangenheit mehrfach vor einem Wechsel in die Bundesliga, wie verschiedene Medienberichte, unter anderem vom Kicker und der Sport Bild, mehrfach vermeldeten. Konkrete Verhandlungen mit mehreren Clubs zerschlugen sich jedoch, weshalb Room letztlich in der Major League Soccer bei Columbus Crew unter Vertrag blieb. In der nordamerikanischen Liga etablierte er sich als einer der besten Torhüter und sicherte sich dort zwei MLS Cups – Erfahrungen, die ihm nun bei der Weltmeisterschaft zugutekamen.

Ecuadors Enttäuschung war entsprechend groß. Die Truppe von Trainer Felipeca, die als klarer Favorit in die Partie gegangen war, haderte mit den vergebenen Chancen. Enner Valencia, der mit drei Treffern als bisheriger Top-Torschütze des Turniers angetreten war, wurde von Rooms Paraden immer wieder geschlagen. Der erfahrene Angreifer von Fenerbahce Istanbul, der in der Vergangenheit auch mit deutschen Vereinen in Verbindung gebracht wurde, vergab allein im ersten Durchgang drei hochkarätige Möglichkeiten. Nach dem Spiel war die Frustration im ecuadorianischen Lager deutlich spürbar.

Die deutsche Komponente in diesem Spiel beschränkt sich nicht nur auf die medialen Verhandlungen um Room. Auch Schiedsrichter Daniel Siebert aus Berlin leitete die Begegnung mit sicherer Hand. Der FIFA-Referee, der regelmäßig in der Bundesliga zum Einsatz kommt, hatte keine Schwierigkeiten mit der Partie und verzichtete auf strittige Entscheidungen. Die Partie blieb bis auf einige nickelige Fouls fair, was auch dem deutschen Unparteiischen zu Gute kam.

Historisch betrachtet ist der Aufstieg Curacaos bemerkenswert. Noch vor zehn Jahren wäre ein WM-Auftritt der karibischen Nation unvorstellbar gewesen. Doch durch strategische Investitionen in die Nachwuchsförderung und die Einbürgerung von Spielern mit curaçaoischen Wurzeln – ein Modell, das auch die deutsche Nationalmannschaft in anderen Kontexten verfolgt – konnte sich die Auswahl kontinuierlich verbessern. Der frühere Bondscoach Advocaat hat dieses Potential erkannt und zu einem konkurrenzfähigen Kollektiv geformt.

Für die Bundesliga, die seit jeher als talentschmiede für WM-Teilnehmer gilt, bleibt Room ein spannender Fall. Sollte er nach der Weltmeisterschaft seinen Marktwert durch diese Leistungen steigern, könnten die Gerüchte um einen möglichen Bundesliga-Transfer erneut aufkommen. Mehrere Bundesligisten suchen derzeit nach Verstärkung im Tor, wie auch die BILD in den vergangenen Wochen mehrfach berichtete. Rooms Qualitäten hat er in Kansas City eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Mit einem Punkt aus drei Spielen wird Curacao die Gruppenphase aller Voraussicht nach nicht überstehen. Doch das Team hat etwas erreicht, das weit über das sportliche Ergebnis hinausgeht. Eine kleine Nation hat gezeigt, dass mit Disziplin, Leidenschaft und dem richtigen Torhüter selbst die größten Favoriten zu Fall gebracht werden können. In der Heimat, wo die Menschen nach Schätzungen lokaler Medien rund um die Uhr das Geschehen verfolgten, wird man sich noch lange an diesen 0:0-Sieg erinnern. Und in der globalen Fußballwelt hat ein Torhüter namens Eloy Room bleibenden Eindruck hinterlassen – ein Name, den man ab sofort kennen sollte.