Spielvorschauen

Tschechien benennt 26-Mann-Kader für WM 2026 Duell gegen Südafrika

Der tschechische Nationaltrainer Miroslav Koubek hat seinen finalen 26-Mann-Kader für das WM 2026-Spiel gegen Südafrika nominiert. Die Bekanntgabe erfolgt drei Tage nach der enttäuschenden 1:2-Niederlage gegen Uruguay im Eröffnungsspiel, die den 73-jährigen Routinier zu mehreren taktischen Anpassungen veranlasste. Wie die tschechische Sportzeitung Sport bereits am Mittwochmorgen berichtete, verzichtet Koubek auf eine Reaktion mit übertriebenen Kaderveränderungen und setzt auf Kontinuität im Kern der Mannschaft.

Das Duell mit den Südafrikanern am Samstag im Metropolitan Stadium in Minneapolis ist für Tschechien bereits ein „Endspiel“ um den Einzug ins Achtelfinale. Nach der unerwarteten Niederlage gegen Uruguay – Tschechiens erste WM-Niederlage nach drei ungeschlagenen Spielen bei der letzten WM 2006 in Deutschland – steht das Team unter enormem Druck. Ein erneutes Scheitern würde das vorzeitige Aus bedeuten und die positive Entwicklung des tschechischen Fußballs der letzten Jahre gefährden.

Historisch betrachtet ist die WM- Bilanz Tschechiens bescheiden. Seit der Trennung von der Slowakei 1993 qualifizierte sich das Land nur zweimal für eine Weltmeisterschaft – 2006 in Deutschland und nun 2026 in den USA. Interessant: Bei der WM 2006 schied Tschechien ebenfalls in der Gruppenphase aus, erzielte aber in drei Spielen immerhin zwei Treffer. Der aktuelle Kader enthält einige Bundesliga-Erfahrung, was die Verbindung zum deutschen Fußballmarkt stärkt. Nationalspieler wie Vladimír Coufal von West Ham United sowie die Legionäre Patrik Schick von Bayer 04 Leverkusen und Antonín Barák von Derby County bringen internationale Klasse ins Team.

Koubek betonte auf der Pressekonferenz am Donnerstag, dass die mentale Verfassung seiner Spieler entscheidend sein wird. „Wir haben nicht Zeit für lange Analysen. Wir müssen nach vorne schauen“, zitiert ihn das tschechische Portal idnes.cz. Der erfahrene Trainer, der bereits den FC Zenit Sankt Petersburg und Sparta Prag coachte, setzt auf eine kompakte Defensive und schnelles Umschaltspiel. Die taktische Umstellung auf ein 4-4-2-System soll die Stabilität verbessern, die gegen Uruguay fehlte.

Im Tor bleibt Peter Kováč von Slovan Bratislava die klare Nummer eins. Der 31-Jährige absolvierte bereits 47 Länderspiele und bringt die nötige Erfahrung für solche Drucksituationen mit. Die Innenverteidigung bilden Jakub Brabec und David Zima, während die Außenverteidiger Coufal und Jan Bořil die Flügel absichern sollen. Im Mittelfeld wird viel von Adam Hložek von Sparta Prag erwartet, der mit 14 Toren in 38 Länderspielen eine respektable Bilanz vorweisen kann.

Die tschechische Öffentlichkeit reagiert gespalten auf die Kadernominierung. Der Kicker (Ausgabe vom Donnerstag) analysierte, dass Koubek zu defensiv denke und mehr Offensive wagen sollte. Andererseits verteidigte Sport Bild den Ansatz: „In dieser Drucksituation ist Stabilität wichtiger als Kreativität.“ Die Erwartungen der Fans sind hoch – in Prag versammelten sich am Mittwochabend über 10.000 Menschen vor der Nationalflagge, um die Mannschaft zu unterstützen.

Südafrika reist mit neuem Selbstbewusstsein nach Minneapolis. Der 2:1-Sieg gegen Panama im Eröffnungsspiel gab den „Bafana Bafana“ Auftrieb. Nationaltrainer Hugo Broos, der bereits Kamerun 2017 zum Afrika-Cup-Sieg führte, hat sein Team perfekt auf die physische Spielweise vorbereitet. Tschechiens Abwehr muss besonders vor Percy Tau auf der rechten Seite aufpassen – der 31-jährige Angreifer von Al Ahly erzielte bereits 18 Tore in 56 Länderspielen.

Für Tschechien spricht die bessere WM-Historie: Während die Tschechoslowakei insgesamt sieben Weltmeisterschaften besuchte und 1930 sogar das Finale erreichte, trat Südafrika erst dreimal bei WM-Endrunden an. Diese historische Erfolgsgeschichte soll als Motivation dienen. Kapitän Tomáš Souček von West Ham United verkündete: „Wir tragen die Farben von Millionen tschechischer Fußballfans. Gegen Uruguay haben wir enttäuscht – gegen Südafrika werden wir alles geben.“

Ein Faktor könnte die klimatische Anpassung sein. Während Tschechien die sommerlichen Bedingungen in Minnesota gewohnt ist, könnten die Südafrikaner mit den Temperaturen von über 30 Grad und der hohen Luftfeuchtigkeit hadern. Koubek plant, die Spieler in klimatisierten Räumen auf das Spiel vorzubereiten.

Mit einem Sieg würde Tschechien gleichziehen mit Uruguay, das im Parallelspiel gegen Panama antreten muss. Bei einem Remis und einem Sieg Uruguays wäre das Achtelfinale nur noch theoretisch möglich. Die tschechische Mannschaft ist sich dieser Mathematik bewusst. „Wir haben nur eine Möglichkeit“, fasste Mittelfeldstratege Lukáš Provod zusammen. „Gewinnen und auf Schützenhilfe hoffen.“ Die Antwort folgt am Samstag um 21:00 Uhr MESZ im Metropolitan Stadium.